Feinstaub und Lichtermeer: Silvester-Feuerwerk fotografieren

Wie in fast jedem Jahr hatte ich auch zum Jahreswechsel 2018/2019 erhebliche Lust, das wilde Rumgeböller und Rumraketieren um Mitternacht zu fotografieren – für mich tatsächlich das einzig übriggebliebene Argument für das In-Die-Luft-Jagen von zigtausenden Tonnen an Feinstaub.

Die Kamera ist sowohl bei Silvesterfeiern zuhause wie auch meist aushäusig am Start, weswegen es fast jedes Jahr irgendein feines Foto gibt. In diesem Jahr wurde Silvester entspannt zuhause begangen und ebenso entspannt sollte das Fotografieren werden. Die Devise hieß also: Automatisieren und nix mehr machen müssen!

Shooting: Silvester 2018/2019

Wir benötigen einige Dinge und ein wenig Zeit, damit alles parat ist. Im Speziellen handelt es sich um dieses Zubehör:

  • Eine Kamera (Canon 5D Mark IV mit Sigma 35 mm f/1.4 )
  • Ein stabiles Stativ mit, wichtig, in 90° kipp- und ausziehbarem Stativkopf (Manfrotto)
  • Fernauslöser (15 € Chinaware, reicht aus und tut, was es soll). Der Vorteil: Mithilfe des Fernauslösers lässt sich im BULB (B)-Modus jede erdenkliche Belichtungszeit einstellen, eine normale Kamera limitiert die Belichtungszeit meist auf 30 Sekunden.
Kostet ein paar Euro, ist aber sehr effektiv: Ein kabelgebundener Fernauslöser.

Und zu guter Letzt: Eine gute Sicht. Und hier kommen wir zum Knackpunkt, denn während ich eigentlich alles hier vor Ort habe – den perfekten Punkt zum Aufstellen der Kamera aus dem Dachfenster habe ich eigentlich nicht.

Gebaut wird also eine abenteuerliche und und eine recht kliemanneske Konstruktion mithilfe des Manfrotto-Stativs, das praktischerweise die Möglichkeit besitzt, den oberen Teil mit Stativkopf abkippen zu können. Und mehr Platz zur Seite brauchen wir zwangsläufig, um die Kamera dauerhaft außerhalb des Fensters schweben lassen zu können (WAAAS? Du lässt die Kamera aus dem Fenster schweben? Hast du nicht Angst, dass etwas kaputtgeht!?). Wir sichern die Kamera sporadisch mithilfe des Schulterriemens, aber mal ehrlich: ich habe 100 % Vertrauen in die Manfrotto-Stativplatte, die mich, Stand jetzt, noch nie enttäuscht hat.

Sah wackeliger aus, als es ist

Wir programmieren den Zeitauslöser (2 Sekunden Pause zwischen den Aufnahmen | 52 Sekunden Belichtungszeit | Wiederholungen auf unendlich), befestigen ihn an der Kamera und machen das erste Probebild. Hier stellt die überlange Belichtungszeit den unsicheren Faktor da, der ausreichend getestet werden muss, damit es im Fall der Fälle nicht zu einem zu heftig überbelichteten Bild kommt.

Wir landen bei 52 Sekunden Belichtungszeit in Kombination mit Blende f/13 und einem ISO-Wert von 250. Ich bin noch nicht ganz zufrieden und justiere ein paar Parameter, damit das Bild knackiger aussieht – im Endeffekt entsteht das Bild bei Blende 16.

Nun kommt der Fernauslöser ins Spiel: Ich drücke nur einen Knopf und der Auslöser erledigt seinen Job. Sprich: 2 Sekunden Pause, Klick, 52 Sekunden Belichten, Pause, Klick, Belichten … und so weiter.

Ich lass die Kamera während den feierlaunigen Minuten zwischen 0:00 und 0:30 Uhr durchlaufen und verändere lediglich nach der Hälfte der Zeit die Belichtung auf rund 32 Sekunden. Die einzige Angst, die ich während der Aktion habe, ist die vor einer möglichen, unbeabsichtigten Rakete, die ins halbgeöffnete Dachfenster fliegt – aber glücklicherweise hält sich direkt vor unserem Haus die Böllerei in Grenzen und das Shooting kann gefahrlos beendet werden.

Die Kamera belichtet – der Fernauslöser läuft.

Am nächsten Morgen lade ich alle Fotos in Lightroom. Da die Ergebnisse von Haus aus dank Raketenlichtern schon spektakulär sind, modifiziere ich die Fotos nur leicht und belasse sich recht natürlich – so natürlich ein explodierender Himmel generell halt rüberkommen kann.

In diesem Sinne, frohes Neues Jahr – und viel Spaß mit meinem finalen Bild.

Das Endergebnis: Ein Lichtermeer aus 52 Sekunden bei Blende 9

How-To: Wie du ein Feuerwerk fotografierst

Vorab ein Hinweis: Einige Kameras haben zwar Feuerwerk-Modi, ich würde aber immer auf manuelle Varianten zurückgreifen.

  1. Such dir einen Platz, der eine tolle Aussicht über die Stadt oder eine Siedlung bietet, aus der ordentlich Zeug in die Luft fliegt. Definitiv einfacher als mein 90°-Stativ-Chaos aus dem Dachfenster.
  2. Ganz klar: Es muss keine 3000 € Spiegelreflex-Kamera sein. Aber: Die Kamera sollte einen manuellen Modus haben, mit dem sich zumindest die Belichtungszeit einstellen lässt.
  3. Stativ, Stativ, Stativ! Ohne Stativ wird es nicht funktionieren, denn die Kamera benötigt zwingend einen sicheren, wackelfreien Untergrund.
  4. Manuell (M) oder Blendenautomatik einstellen – im Einstellrad meist als T, TV oder S bezeichnet
  5. Gibt es kabelgebundene Fernauslöser für deine Kamera? Kauf sie! Wenn du für jedes Bild manuell abdrücken musst, sei der 2 Sekunden-Timer empfohlen, damit die Kamera beim Auslösen nicht wackelt.
  6. Immer wieder kontrollieren, ausprobieren, verbessern!

2 Gedanken zu „Feinstaub und Lichtermeer: Silvester-Feuerwerk fotografieren

  1. Stefan Antworten

    Hi Johannes,

    cooler Artikel und vielen Dank, dass du dein Vorgehen so gut für einen Foto-Amateur wie mich erklärst!

    Viele Grüße
    Stefan

    • johannesherden Autor des BeitragsAntworten

      Hi Stefan,

      danke, freut mich sehr!

      Wünsche viel Erfolg beim nächsten Feuerwerk 🙂

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