How To: Portraitbeleuchtung selber basteln

Vorgestern sind mir mal wieder die sagenhaft guten Portraits von Martin Schoeller in den Sinn gekommen, deren Besonderheit in den länglichen Neonlichtern liegt, mit dem der Fotograf seine Models beleuchtet. Und ich fragte mich: Schaffe ich es mit Bordmitteln (Standard-Vokabel meines Schwiegervaters), mir günstige, längliche Diffusoren selbst zu basteln? Und zwar a) ohne Geld auszugeben und b) damit tatsächlich einen Effekt zu erzielen?

Folgende Bordmittel standen mir nach knapp fünfminütiger Recherche zur Verfügung.

  • Ein alter Diffusorschirm, den ich nicht mehr benötigte
  • Ein stabiler, schmaler Karton
  • Doppelseitiges Klebeband
  • Gaffatape (logisch)
Die semi-professionelle Ausgangslage, was das Equipment angeht.

Ab an die Arbeit. Gemäß der kurzen Planungsdauer stand mir ein 100 cm langer, perfekt passender Karton zur Verfügung (vielen Dank an meine Frau). Allerdings nur einer. Ich brauchte aber zwei der Stabdiffusoren. Blieben 50 cm Länge pro Diffusor – knapp, aber sollte gehen.

Der eine oder andere Leser mag sich jetzt fragen: Was ist das eigentlich? Und was genau bringt mir sowas? In erster Linie sorgt so ein Diffusor für länglich gestreutes Licht und schafft in Verbindung mit einem Portrait-Objektiv einen ganz besonderen Bildstil. Als Bonus: Dieses feine doppelte Funkeln in den Augen des zu Portraitierenden, das auch Schoellers Bilder so auszeichnet.

Ich brauche also eine reflektierende Innenfläche. Gesagt, getan, die besitzt der ausgediente Schirm, den ich nun ohne Gnade zerschnipsle. Nachdem ich den langen Karton ausgemessen und zerteilt habe, säge ich die Frontseiten heraus und gestalte mithilfe von doppelseitigem Klebeband den Innenraum reflektorsilbern. Schöner wohnen.

Aus 1 mach 2…

Die Innenseite steht. Nun muss auch irgendwie Licht hinein: Dieses kommt von meinen beiden Canon Speedlite 420 EX II Blitzen, denn das System muss portabel sein. Ich messe die Umrisse der Blitzgeräte aus und säge diese aus der Rückseite aus, sodass ich den Blitz gerade so auf Maß einsetzen kann. Dank des Pappkartons ist der Diffusor so leicht, dass eine aufwändige Halterung nicht notwendig ist.

Der Einlass für den Blitz wird herausgesägt

Nun kommt das Wichtigste der Aktion: das Streulichtmaterial. Ich schneide den Stoff grob zurecht und klebe ihn, gelobt sei das Gaffatape, leicht straff auf die Kartonvorderseite. Zu guter letzt verkleide ich die beiden Kartons immerhin noch mit ein wenig Tape, damit es wenigstens auch optisch nicht allzu schlimm aussieht.

Fertig!

Die Generalprobe folgt auf dem Fuße: Ich montiere die neuen Diffusoren an die Blitze, diese an die Yongnuo-Funkauslöser, mache kurzerhand mit meinem schwarzen Hintergrundstoff, den ich in die Balkontür klemme, aus der Küche ein Mini-Fotostudio und stelle das Setup ein.

Das leicht improvisierte Küchen-Setup.

Nach ein paar Probebildern ist klar: 1,8er Blende am Portraitobjektiv lässt sich mit einem Fokuspunkt via Handy-Fernbedienung nicht kombinieren. Der Foto-Credit geht also an meine Frau Johanna (danke!) und das erste Portraitfoto mit meinen Selfmade-Diffusoren ist im Kasten. Ich bin zufrieden mit dem Effekt!

Das Ergebnis: Klar erkennbar das doppelte Funkeln in den Augen, auch eine gleichmäßige Ausleuchtung aus zwei Seiten ist vorhanden.

Habt ihr fototechnisch schon einmal etwas selbst gebaut?

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